Hospital II

DE
Oktober / November 2014

St. Hedwig-Krankenhaus, Berlin.

“Sie sitzen in einem Auto und fahren gegen eine Wand. Sie haben schon eine Halskrause an. Wollen Sie nicht langsam aussteigen?”
- Aber mein Fuß ist ans Gaspedal getackert.
“Dann ziehen wir jetzt gemeinsam die Nadeln.”
- Ok.

Diese Serie ist eine meiner persönlichsten Arbeiten und verdient deshalb eine längere Erläuterung. Das Erlebte hatte einen großen Einfluss auf den Weg, den ich seitdem künstlerisch und professionell eingeschlagen habe und auf das Wissen darum, was ich mal für eine Ärztin sein will.
Der Aufenthalt auf einer spezialisierten Station zur Depressions- und Krisenintervention macht viel mit einem. Die Station ist ein sicherer Raum, der für die einen hilfreich bei ihrer Krankheitsbewältigung und darüber hinaus jedoch für andere Patient_Innen auch traumatisierend sein kann. Kurz gesagt: dieser Ort ermöglicht es, Einblicke in Bereiche zu bekommen, die Gesunden sonst nicht offen stehen. Sei es die Art, wie Patient_Innen von medizinischem Personal behandelt werden, Hierarchien innerhalb des Mikrokosmos Krankenhaus, die oft altmodische Art, wie spezialisierte psychiatrische Kliniken und Stationen gebaut und geplant wurden, oder die Art, wie Patient_Innen selbst mit ihren Erkrankungen umgehen, den mit diesen assoziierten Stigmata und wie sie ihre Angehörigen und das medizische Personal behandeln. All diese Beobachtungen haben ihren Weg in meine Arbeiten gefunden.

Später durfte ich als Studentin der Visuellen Kommunikation an der weißensee kunsthochschule berlin an visions4people teilnehmen, wo ich auch mit mit meiner Perspektive als früherer Patientin einer psychiatrischen Einrichtung Hinweise geben konnte. Dieses Pilotprojekt versuchte mit künstlerischen und praktischen Interventionen die Lebensqualität der Patient_Innen, dort Arbeitenden und Besucher_Innen zu verbessern. Es nutzte die Klinik für Psychatrie und Psychotherapie der Charité Berlin am Campus Mitte (CCM) als Modellgebäude.

Mich persönlich hat der Aufenthalt darüber hinaus dabei ermutigt, mich weiterhin sehr offen über das Thema Mental Health zu äußern. Auch entdeckte ich dort für mich, wie wichtig es ist, abstrakte Themen und Zusammenhänge (einfach) visualisieren zu können, da dies tatsächlich Leben retten kann. Selbst bin ich seit über drei Jahren gesund.

Berlin, Februar 2020.

EN
October / November 2014
St. Hedwig Hospital, Berlin.

"You're in a car and you're driving against a wall. You already have a neck brace on. Isn't it time to get out of the car?"
- But my foot has been stapled onto the gas pedal.
"Then we'll pull the staples out of it."
-Ok.

This series is one of my most personal works and is thus owed a longer explanation. The experiences depicted informed a lot of the work that followed and the direction of my artistic and professional interests and what kind of doctor I want to be one day.
The stay on a specialist psychiatric ward dealing with depression and crisis intervention does leave an imprint. While it is a safe space, it is also one that may be helpful to some and on top of that traumatising in itself to others.
In short: it gives insights into areas healthy people are rarely able to dive in to. Be it the way patients are treated by medical professionals, the hierarchy within the microcosm of a hospital, the often old-fashioned way specialist psychiatric hospitals / wards are conctructed, or the way patients deal with their respective illnesses, the stigma associated with mental illness and how they treat their relatives and medical professionals. All of this found its way into how I approach my work.

Later on, as a student of Visual Communication at weißensee kunsthochschule berlin, I was able to take part in visions4people, where I could provide insights into the perspective of a (former) patient. It was a pilot project that tried to find both artistic and practical ways to change how psychiatric hospitals are run so as to improve the quality of life (and work) for patients, staff and visitors. It used the building of the Department of Psychiatry and Psychotherapy of Charité Berlin (CCM) as its model building.

On a more personal level, my stay added fuel to continue being outspoken about mental health and that there is importance in visualising abstract concepts as it can literally save lives. I have been healthy for over three years now.

Berlin, February 2020.

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