April 9, 2020Keine Kommentare

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Plattentektonik I

Dies ist, dies wird, eine Erzählung in Etappen über ein paar Wochen im Jahr 2020, eines, das sich jetzt schon so anfühlt, als wäre seit Neujahr ein Jahrzehnt vergangen. Diese Worte werden vermutlich wachsen, je mehr Abstand alle von dieser Zeit gewinnen. Die Frage ist nur, wann genau ein Danach beginnt. So richtig.
In einer kleinen Ecke in mir liegen Sachen bereit, die schon länger darauf warten ans Licht zu treten. Der Wunsch, das du abzulegen und die dadurch sehr verwischten Aggregatzustände wieder klarer zu machen. Ein du nicht mehr als hybrides Sammelbecken für meine Erlebnisse, Fragen an Andere und Beobachtungen von Menschen. Schnipsel, Schatten, ganz viel Licht und ich, wie ich interpretiere.

Das hier ist das, was ich erzählen kann. Das, was ich sehe und mir passiert. Alles, was dir geschieht oder zustößt, gehört dir, sagte mal jemand, aber manches ist nicht Teil einer Geschichte, über die ich sprechen sollte. Es ist kein Erlebtes aus erster Hand, ich bin nicht darauf oder dagegen gestoßen wie ein Queue beim Billard auf den Spielball, habe dessen Ausmaße nicht gefühlt, habe mich nicht durch dessen Melancholie oder Wut oder Liebe oder Glückseligkeit gelebt. Schlichtweg: es gibt Dinge, die sind, aber sie sind und werden nicht meins.

M83 - Lower Your Eyelids To Die With The Sun

Meine erste Liebe war die Prosa höre ich mich sagen und komme nicht umhin zu lachen. Manchmaltage nannten die einen es, wenn ich meine Texte vorgelesen habe, die anderen erinnerten mich daran, nicht so schnell zu sprechen. Mitte März gerinnt mir mein in den Zwanzigern anerlebter, erlernter Tatendrang durch die Finger, will nicht greifen, kann nicht landen, Timing ist ein Schimpfwort. Wir haben alle unsere verschiedenen Lebenstempi.
Sich darauf besinnen, was mir immer Ventil und Decke zugleich war. Muss ich mich dafür noch ausbluten, muss ich mein Herz aus dem Brustkorb wüten so wie früher, damit ich künstlerisch tätig sein kann, muss ich überhaupt?

Verschiedene Zeitleisten, es könnten fast Parallelen sein. Ich höre und lese meinen Freunden und Freundinnen in Großbritannien und in Deutschland dabei zu, wie sie Angst um ihre Gesundheit haben, ohne das Wort Angst zu verwenden. Sie erzählen von ihren Alltagen in Krankenhäusern und von noch viel zu vollen Pubs in London an denen sie auf dem Nachhauseweg vorbeilaufen, während in ihren Kliniken PatientInnen sterben.

Säkert! - Fredrik

Einer nicht kleinen Zahl an Menschen sehe ich aus der Ferne dabei zu, wie sie täglich viel Alkohol trinken. Langeweile, Abendritual, einfach so. Ich frage mich, ab wann man verpflichtet ist, mit Nachfragen einzuschreiten.

Es irritiert, wie schnell der Körper vergisst. Wie kalt es war, wie sich Stimmen anhören, wie es sich anfühlt, unter vielen Menschen zu sein. I Want It That Way von den Backstreet Boys als Social Distancing Live Version und auf einmal tanze ich stumm heulend und davon überrascht in dem Bad, dessen Wände ich gerade ganz dringend streichen möchte. Bisher war das Lied für mich eines, das auf Brexit passt wie der Rest der absurden Abwicklung. Was gäbe ich für eine Umarmung, die mir etwas bedeutet.

"When I want something, it gets physical."
Kraków Loves Adana - Young Again

Ich denke zwei Monate zurück. Volle Bars, irgendwo in Mitte und Neukölln wabert Licht schummrig durch Fensterscheiben auf den nächtlichen Gehweg. Aus einem Café an der Friedrichstraße strahlt nun it was all a dream in Neonröhrenform in eine fast komplett verlassene Seitengasse. Eine Art Sonntagmorgen, noch bevor die Bäcker öffnen - so ist es gerade in meiner Version Berlin. Eerie als das einzige Wort, das in den Kopf kommt und langanhaltend verbleibt.

San Cisco - The Distance

Seit ich mir angewöhnt habe, ohne Kopfhörer auf meinen täglichen Spaziergang zu gehen, fallen mir mehr als ohnehin schon die kleinsten Dinge auf. Im kleinen vernachlässigten Park der wohl die Abgase der B96 zu einem Teil kompensieren soll, sitzen vereinzelt Menschen mit ihren Kindern auf den Parkbänken, Eichhörnchen laufen die Bäume hoch. Zwei Krähen streiten sich um ein Stück Pizza, eine von ihnen starrt mich an, fast als würde sie sich ertappt und verurteilt fühlen und mich dabei ertappen und verurteilen, weil ich sie in einem delikaten Moment anschaue.
Hier und da finden sich Leute zusammen, auf Entfernung, an Regeln haltend, hier und da ist es, als würde ich Slalom laufen; einzelne Sprachfetzen an meinem Ohr, fast ausschließlich das gleiche Thema. Währenddessen sind leere Straßen vor mir, auf die ich mich legen könnte, ohne von einem Auto gestört zu werden.

Auf dem Rückweg meines täglichen Spaziergangs hole ich etwas ab und flute in den großen Park am Ende meiner Straße. Sie haben die Trampoline abgesperrt, mittlerweile auch die asphaltierte Fläche daneben über die gelegentlich in normalen Wochen eine Bulldogge auf einem Skateboard rollt und Mengen anzieht, die sie filmen. Nichts ist hier leer. Ein Jugendlicher kommentiert meinen Hintern, ein paar Meter weiter will mir irgendjemand etwas über die Länge meiner Haare und meine Tattoos erzählen.

Jordon Alexander - Objects of My Affection

Fast einen Monat lang keine Berührung, keine Umarmung, ich bin manchmal kurz davor, meine Freunde anzurufen und sie zu bitten, sich mit mir in einem Hauseingang zu treffen, damit ich sie in den Arm nehmen kann und umgekehrt. Stattdessen sind da meine Pflanzen, ganz viel Licht in der Wohnung und eine Ruhe in mir, die ich vor Jahren nicht für möglich gehalten hätte. Diese Wirklichkeit als Gesunde zu erleben, nicht depressiv, ohne Stimmungsschwankungen, ohne lähmende Angst, ist weniger Herausforderung als ich es erwartet hatte. Es macht dankbar. Auch wenn sich gelegentlich Stress in mir aufbäumt, sich Trauer, weil ich manche Menschen übertrieben lange nicht gesehen habe, kurz in den Abend legt, ist alles gut. Ich habe früher viel darüber geschrieben, was sich tief in meine Knochen gelegt hatte, um das ich mich gekümmert habe. Seit meinem Dreißigsten ist für mich alles ein Extra, alles ein unerwartetes Plus, ich halte das weiter in meiner Hand, was sich gut anfühlt, bin auf eine Art gelassen, mir der der eine oder andere noch nicht zu tun hatte. Trotz der Umstände. Trotz der Erlebnisse. Man nennt das Resilienz.
Es ist wie beim Autofahren, wo einem in jeder Fahrschule gesagt wird, man solle dort hinschauen, wo man hinfahren will. Vor allem, wenn es um Kurven geht.

Was gäbe ich für eine Umarmung. Ich tanze dieses Bedürfnis momentan von innen nach außen.

Januar 29, 2020Keine Kommentare

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Im ersten Waggon einer U3 gen Warschauer Straße sitzt jemand hinter der ersten Tür links, der dich an einen französischen Schauspieler erinnert. Einen, den du vor kurzem oder auch vor längerem in einem Film gesehen hast. Er schaut dich etwas verdutzt an, es erkennt sich kein Gesicht so wirklich im anderen; Glück gehabt. Ein paar Meter weiter steht sehr verloren und erschöpft ein Mann, der eine Zeitung mit dem Titel "Würde" in der Hand hält. Bevor du dir die Frage stellen kannst, ob er Hilfe braucht, steigt er aus und schlurft den Bahnsteig des Nollendorfplatzes entlang. Der Zug fährt erst langsam, dann schneller an und du bist dir sicher, dass er jede freundliche Geste hätte gebrauchen können.

Der Schlag in deine Magengrube ist noch spürbar, er hat sich aufgebaut über fast zwei Stunden, zwischendrin als hätte alles gebrannt. Ein sich nicht satt sehen können an Farben, Unbarmherzigkeit im Schlamm.
Du kannst die Treppe vom U-Bahnhof gar nicht so schnell hochrennen, wie du glaubst frische Luft atmen zu müssen. Im Europaparlament singen sie Auld Lang Syne und dir hängt dieses Gefühl hinter den Schulterblättern, das langsam nach vorne zu den Schlüsselbeinen klettert. Alles ganz dringend, du beeilst dich so schnell du kannst nach Hause zu kommen. Bleib in dem Modus, bleib da drin, nicht ablenken lassen; das muss alles raus, nicht nur alles auf einmal - vielmehr das, was selten aus deinen Fingerspitzen konnte. Es kann gar nicht so sehr drücken und schieben wie du fühlst, dass es das mit dir tut.
Der Fremde, der von der Polizei abgeführt wird, weil er auf einen anderen eingeschlagen hat, da an der Kreuzung, da, wo die Neonröhren schreien, da, wo sie vor der öffentlichen Toilette aufeinander warten. Der andere Fremde, der dich an der Kasse mit Worten versucht auszuziehen und dabei nur mit seiner Einsamkeit spricht.

Ein Gefühl, als würdest du gar nicht so schnell schreiben können wie du es willst. Linien dünn, du kannst das Rinnsal noch an den Wangen sehen.

Das hier ist ein großer Anfang, oder?

Codes in the Clouds - We Anchor in Hope & Thomas Newman - The Night Window

Text auf Soundcloud anhören.

Oktober 8, 2018Keine Kommentare

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Neunter September

Südbahn Tempelhofer Feld, 17:45
Die Tonne brennt, Grillkohle und Feuerwehr. Ich stehe und rolle auf einem Brett, nachdem ich jahrelang Gleichgewichtsprobleme hatte.
Wir hören mehrere Schüsse am Neuköllner Ende des Feldes, sind überrascht und denken an Schreckschusspistolen - L, M und ich schauen einander fragend an. Mehrere Menschen schreien, die Halbstarken von Gegenüber fahren mit Fahrrädern hin, "ey, lass mal glotzen" schreiend. Ich scrolle durch Twitter. Martinshorn, viel.

Hauptbahnhof, 19:33
Warte darauf, J in die Arme zu nehmen. Der ICE fährt ein, nach ein paar Momenten laufe ich ihr entgegen.

Zehnter September

Kantstraße, 15:40
J und ich stehen vor einer altertümlichen Auslage. Große Parfumflaschen und Plastikblumen. Vor lauter verschiedenen starken Gerüchen brennt es mir die Geruchsrezeptoren weg.

Elfter September

Tiergarten-Süd, 12:10
Mir ist schummrig und ich will nur noch liegen. Der Wunsch danach, dass manches, das nicht werden will, wird, dass das was nicht wurde, trotzdem wird.

Zwölfter September

Tiergarten-Süd, 11:11
J ist auf dem Weg zurück und ich weiß nicht genau, wie ich helfen kann.

Dreizehnter September

Tiergarten-Süd, 17:12
In der Badewanne liegen mit Schüttelfrost, Fieber. Nicht konzentrieren können.

Vierzehnter September

Motzstraße, 12:10
Wartezimmerblues, das erste Mal Blutdruck im Normalbereich seit ich hier Patientin bin. Irgendetwas von Mattigkeit, grippalem Infekt, fühle mich wie mit Männergrippe.

Tiergarten-Süd, 22:40
Finger will ich aufs Philtrum legen oder auf die Kuhlen über und zwischen Schlüsselbeinen, Etwas entlangfahren mit meinen Fingerkuppen, so sanft wie über die ersten Kastanien des Jahres, ich glaube, es wird Herbst. Verpasse alles, liege stattdessen im Bett.

Fünfzehnter September

U3 Wittenbergplatz, 13:22
Ruckeln, warten aufs Aussteigen, ich stelle mich passend vor die Tür. An meinem Rücken bemerke ich, dass es wärmer wird und ich drehe meinen Kopf. Ein Mann, der mich, seit ich eingestiegen bin, beobachtet hat, steht viel zu dicht und unnötig hinter mir, der Waggon ist sonst leer. Traue mich nicht etwas zu sagen, die U-Bahn fährt in den Bahnhof ein, ich muss zum Kurfürstendamm, zu langsam; ein Gefühl der Bedrohung, mir ist etwas schwindelig vom Infekt.
Kurz bevor die U3 steht, spüre ich von dem Mann hinter mir etwas auf Höhe meiner Lendengrube, eine Beule. Ekel. Die Tür geht auf, ich renne fast zur U2 auf dem Gleis gegenüber. Mir ist schlecht.

Sechzehnter September

Leipziger Straße, 13:13
Die Straßen leer nachdem die Marathonläufer abgebogen sind. Eine Mischung aus post-apokalyptischem Szenario und Ruhe. Das Geräusch von hunderten Läufern im gleichen Bereich auf Asphalt. Alles ruhig.

Potsdamer Straße, 13:52
Weniger Läufer als vor zwei Stunden, nur noch ein bisschen mehr als eine Spur belegt. Am Straßenrand sitzen Zuschauer und singen laut zu "Jenny from the Block" mit.

Siebzehnter September

Magdeburger Platz, 09:45
Wir in der WG haben zu viel Altglas angesammelt.

Tiergarten-Süd, 16:28
Angeblich hat ein Metzger in der Potsdamer Straße den Kassler erfunden, Samuel Fischer traf Besucher an der Ecke zur Bülowstraße, Rowohlt war am Landwehrkanal.
Manchmal fast überfahren in Gedanken vom Wissen um die Füße, die vor Jahrzehnten die gleichen Wege frequentiert haben. Mir fehlt die Neue Nationalgalerie, dieses Bauwerk von Mies hat mich mit seiner Haupthalle gelegentlich traurig, meist aber sehr ruhig gemacht.
Sehe Arbeiten von David Chipperfields Studio und erkenne sie als solche.

Neunzehnter September

Kurfürstendamm, 14:17
Sich übernehmen und den Körper nicht richtig einschätzen können, mir ist schummrig. Ich glaube, ich will mich hinlegen.

Zwanzigster September

Tiergarten-Süd, 22:26
Der Mann, der im Innenhof so komisch widerlich beim Husten zu hören ist, arbeitet am Flughafen Tegel auf dem Rollfeld. Als würde er allen Belag in seinem Mundraum nach außen spülen müssen.

Zweiundzwanzigster September

Tiergarten-Süd, 14:32
Zynismus ist der ultimative Dealbreaker.
Meine Stimme erinnert mich an das Gefühl, das man hat, wenn man mit den Fingernägeln über die feinen Metallgemüseraspeln fährt.

Sechsundzwanzigster September

Okerstraße, 15:00
Die Kreuzung weiter vorn, Bierstuben Eck an Eck, Brockhaus im Taschenbuchformat unten; Bordsteinkanten und riesige Zwischenräume neben Pflastersteinen. E schiebt und ich laufe halb bewundernd, halb entspannt daneben und frage mich, ob sie zur Ruhe kommt.
Ich mag die Gegend mehr als ich möchte, immer noch, dabei habe ich es vor einiger Zeit nur geschafft, nachdenklich aus den Rollberg-Kinos gen U8 zu taumeln.

Siebenundzwanzigster September

Tiergarten-Süd, 13:50
Der Mann am Versorgungskasten starrt mir Löcher in den Körper, eine Art Intermezzo, so als hätte man sich schonmal irgendwo gesehen und gekannt. 

U Wittenbergplatz, 14:09
In der Sonne sitzen und stricken, im Doppelpack.

Alexanderplatz, 15:10
Irgendein Markt, der ans Oktoberfest erinnern soll, aber eigentlich nur die Fortführung des ganzjährigen Weihnachtsmarktes darstellt, füllt den Platz. Er ist ähnlich freundlich wie die Person an der Kaufhof-Kasse, die nur die Leute freundlich behandelt, die überteuerten „edlen“ Alkohol kaufen. Überall der gleiche Name.

Achtundzwanzigster September

Gropius-Bau, 12:47
An dem Sockel bei den Stufen renken sich E und ich ein, sie ihre Hüfte, ich meine Lendenwirbelsäule. E sagt, ich könnte mich sehr weit nach hinten strecken, ich denke an den schwedischen Mathematiker, den ich in Dresden kennengelernt habe, der mir vom Brückenbauen und Analysis erzählt hat. Mir fällt keine Funktion für meinen Rücken ein.

Neunundzwanzigster September

PalaisPopulaire, 15:18
Eine Mischung aus zu eng und zu weitläufig. Leute, die vor Zeichnungen stehenbleiben, direkt davor, das Telefon zum Schreiben via Messengerdienst in der Hand. Dabei wollte ich doch nur Hanne Darboven sehen.

Dreißigster September

Tiergarten-Süd, 00:07
Die Blasey-Ford-Kavanaugh-Anhörung triggert Emotionen, von denen ich nicht wusste, dass sie immer noch so sehr mit Wut verbunden sind. Doppelstandards, Ohnmacht und Rage; mein Unverständnis, dass vieles als "boys will be boys" entschuldigt wird - sich daran erinnern, wie es war, von einem sexuellen Übergriff, den ich zum Glück unversehrt überstanden habe, zu erzählen, ohne, dass die Person, mein damaliger Therapeut, mir geglaubt hat. Sich dann daran erinnern, wie ich direkt danach war, wie alle, die mich sahen, im Nachgang sagten, sie hätten mich noch nie so erlebt.
Dann, von Fremden, die Fragen: wieso warst du auch alleine auf dem Bahnsteig, wieso warst du nicht dort, wo die Kameraüberwachung war, wieso hast du nicht geschrien? Und die unverschämteste Frage: wenn es so schlimm war, wieso hast du dich nicht gewehrt?
Als wäre mein Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung etwas, für das es für Fremde im öffentlichen Raum einen Verhandlungsspielraum geben würde. Als müsste man immer wieder Leuten erklären, wie unterschiedlich sich Trauma äußert. Als müsste ich mich überhaupt dafür rechtfertigen, dass ich nicht von Fremden auf dem Weg wohinauchimmer wannauchimmer zwischen meinen Beinen oder sonstwo angefasst werden will.

Erster Oktober

Mitte, 12:14
An einem Experiment teilnehmen, bei dem zur Ablenkung Kayak-Herstellungsvideos gezeigt werden. Bei der Fahrt zum Hauptbahnhof eines der herzzerreißendsten Gespräche seit längerer Zeit haben. Die Frage danach, wieso Menschen sich schön fühlen und wieso sie es gelegentlich oder öfter oder nie tun.

Dritter Oktober

Mitte, 22:02
In einem Bad in Mitte stehen und dem Feuerwerk für die Einheitsfeier zuhören. Ein paar wenige Kilometer entfernt der Verlauf der früheren Mauer.

Vierter Oktober

U Bismarckstraße, 20:47
Die einzigen Momente, bei denen ich Farbe im Gesicht habe, sind die nach dem Saunabesuch. Halb rosé angelaufenes Gesicht vor grünen Kacheln; es schreit nach mir, eigentlich schreit es auch ein bisschen nach dir, auch wenn ich nicht weiß, wo du eigentlich hin verschwunden bist. Mir ist nach gedünstetem Gemüse.

Sechster Oktober

City-West, 19:45
T berichtet vom Arinc-Standard in Flugzeugen und von Datenübertragungsraten. Riesige Aluminiumstrukturen im Himmel mit mittelalterlich anmutenden Technologien an Bord, direkt neben mega leistungsfähigen Computern in Smartphoneform. Wir schauen uns Luftbilder von Landebahnen verschiedener Flughäfen an.

Ebenda, 23:55
Manche erzählen von verschwendeter Zeit und wie sie ähnlich loyal geblieben sind in alledem. Mein persönliches "muss einen Tritt finden in meiner Zeitplanung." Kavanaugh zum Richter im Supreme Court gewählt und ich kann nicht aufhören wütend zu sein.

Siebter September

S Hermannstraße, 19:45
Das nennt man dann also das Beginnen als Ateliergemeinschaft oder Kollektiv. Die S-Bahn wie eine Schneise schlagende Schlange.

Achter Oktober

Tiergarten-Süd, 13:07
Seit ich Weißensee den Rücken gekehrt habe, zeichne und probiere ich mehr aus als in den letzten zwei Jahren zusammengenommen. Vorhandene Strukturen als Amboss, der über einem schwebt. Als hätte ich mir selbst diesen Amboss abgenommen. Ich will nicht aufhören mich auszutesten.

"I'm gonna keep rolling on"
(Curtis Harding - On and On)

Februar 11, 2018Keine Kommentare

180211

Das waren die Spuren im so halb frisch gefallenen Schnee und die Lichter in deren geschmolzener Version, da auf den Straßen zwischen der Treppe zur U1 und dem kalten Wind in meinem Rücken.

Als hätte ich das alles nur geträumt mit dem Leben hier, ein wenig viel Schönes, der Blick aufs LSD siebenuhrdreißig, Bülowstraße, Bögen, als wäre ich gerade erst hier angekommen; da in dem Transporter neben meinem Vater, Autobahnabfahrt Innsbrucker Platz, zweitausenddreizehn. Nicht viel Freiraum, Holz, Möbel, Waschmaschine, das erste Mal Ochsenblutdielen und die Holzssplitter in meinen Fußsohlen vom Abschleifen, das nie passiert ist.
Das Gefühl, als müsste ich ganz dringend, sofort, anfangen zu rennen. Vielleicht in deine Arme, vielleicht an einen Ort, von dem ich noch nicht so viel weiß. Du weißt, du stehst immer dann fest mit beiden Beinen auf dem Boden, wenn du nicht überlegst, wo du jetzt gern lieber wärst.
Du beginnst den Abschied in Raten zu feiern. Das letzte Mal Winter, das letzte Mal Sibirische Steppe. In London hat es dich härter getroffen, da war das Bewusstsein, dass du immer wiederkommen aber nie wieder so ankommen würdest. Andere Menschen in deinem Zimmer, ein Beobachten der Hausfassade, andere Menschen dort, wo du einst standest, in Uniform und mit weißem Hemd. Um die Ecke noch die Bloomsbury Ambulance Station.

Einige Brücken lässt du brennen, über brennbares Material hinaus, als gäbe es noch etwas zu sagen oder etwas wiedergutzumachen; aber du hast niemandem bisher gesagt, dass die Brücken immer Plätze und nie Personen waren. Als könnte man Erinnerungen ausradieren oder das Vergessen beschleunigen. Stattdessen fällst du, wenn schon nicht über deine Füße, dann wenigstens aufs Herz oder den Kopf. Im besten Fall kein Herzinfarkt, keine Gehirnblutung, im schlimmsten Fall ein gebrochenes Herz und das Scatterbrain, das alles will und zwar sofort, aber zugleich dann doch wieder nichts. Du weißt, dass manches dauert und mit Dauer weißt du um deine Fahrlässigkeit dir gegenüber. Ist schließlich nicht wie mit den roten Blutkörperchen, die Leber oder Milz nach einhundertzwanzig Tagen voller Kernlosigkeit abbauen. Dabei hast du doch deinen Kern nie verloren.

Am Ende aber denkst du mit Leidenschaft an diesen einen Satz, den J zu dir über dich sagte und den du an alle spiegeln möchtest, die deinen Weg kreuzen. Manche Menschen haben einen unglaublich schönen Verstand. Du fügst in Gedanken etwas hinzu: manche Menschen gehen weit darüber hinaus.

"for we owe it to ourselves
to bury yesterday and leave it quaking in the earth"
(Son Lux - Aquatic)

Februar 1, 2018Keine Kommentare

180201

Du wunderst dich über ihren Gesundheitszustand und schaust beschämt an deinem Körper herunter. Offener Mantel, immer, außer bei Minusgraden und stechender Brise. Die Hände werden schon rot und rau, je nachdem, wie der Wind steht. Das warst du dann aber auch mit den Quadratmetern und den Worten, fünfuhrdreizehn, du hast genau auf dein Telefon gesehen, bevor du auf den blauen Pfeil getippt hast, am anderen Ende einer Stadt kann es eigentlich nicht viel kälter sein.
Doch dann die Befürchtung, noch nicht einmal eine Fußnote zu sein, zu werden, kein sanftes Betätigen einer Klingel. Rainald Goetz hatte Unrecht, nicht wütend schrittst du voran, du taumelst vielmehr. Weswegen, worin und wohin kannst auch du nicht sagen.

Generell lässt du dir exorbitant viel Zeit, denke ich, denkst du vielleicht ebenso, ein Spiel aus Internalisierung und Externalisierung. Blauer Mond, Supermond und Blutmond in einem, in dir drin nichts verregnet, ein Perspektivenraster womöglich. Alle neunzehn Jahre ein Lebensabschnitt, das hält doch niemand so lange aus.
Aber gibt es nur cool und uncool und wie man sich fühlt und die, die fragen und antworten, und die, die es nicht tun. Stille oder Bewegung zwischen zwei Punkten. Das geht schon alles vorbei, mehr oder weniger, dabei habe ich noch nicht einmal einen Plan oder ein Ziel, das bis zur nächsten Mondkonstellation von irgendetwas hätte erzählen können.

Du drehst also deine Runden, stet und bebend, eine Lichtglocke hängt über Berlin, selbst hier. Selbst hier.
In ein paar Monaten gehen die Feuerwerke wieder hoch, aber schon jetzt rieche ich nach Baum, nach Blüten, nach Frühling, doch davon wirst du nichts wissen, egal, wie sehr sich unsere Kreise berühren.

"tell me what's next
tell me what's best"
(Kraków Loves Adana - Rapture)

Januar 15, 2018Keine Kommentare

180115

Vor Jahren diese aberwitzige Idee, einen Roman über Berlin zu schreiben, kein Berlin Alexanderplatz, kein Roman über den Prenzlauer Berg, keine Grausamkeiten, keine Morde. Diese aberwitzige Idee hast du dann eine Zeit lang dir gegenüber verteidigt, nur um sie nach längerer Recherche mit einem Seufzen abzuschließen. Du hast festgestellt, dass sie in all der Zeit, die du schon in dieser Stadt wohnst, sich in all deine Worte, deine Musik, deine Fotografien, deine Zeichnungen gelegt hat wie ein futuristischer Roman, den man nicht unbedingt greifen kann. Eine Art Zettelsammlung, ein Albtraum für jeden Nachlassverwalter, sollte dieser irgendwann einmal irgendetwas von dir zu verwalten haben. Du klaubst dir also diese kleinen Stücke Berlin zusammen, sitzt am Humboldthafen, denkst daran zurück, wie sie in Hedwig wollten, dass du durch den Monbijoupark joggst und du sie nur ungläubig ansahst, spürst die Momente in dir, in denen du genau wusstest, dass diese Metropole gut zu dir ist und du im Umkehrschluss gut zu ihr und ihren Einwohnern.

Wenn du durch dieses hunderte Seiten dicke Buch von Döblin blätterst, bemerkst du die Ortsverweise, die du dir angestrichen hast. Du bemerkst, dass du dich von allein an diese Orte hast ziehen lassen. Vielleicht hat dich einfach nur Mitte in seine Mitte zitiert. 
Du denkst an Sauen und den Sauener Wald und einen Absatz, über den du immer noch lachst und der für dich irgendwie mehr mit Berlin zu tun hat als du es verstehen kannst: August war ein ziemlicher Badass Motherfucker, bevor er Nazi-Sympathisant wurde. Ich hätte mir keine Nadel in die Wirbelsäule in einem Selbstversuch gerammt, nur um herauszufinden, ob da ne Anästhesie möglich ist. Charité heißt Barmherzigkeit.

Du hast deinen eigenen Takt, du beginnst, nicht mehr zu spät zu kommen, du verstehst den Takt manch anderer Menschen nicht. Beschäftigst dich seit Zuzug noch viel mehr mit Anwesenheit und Abwesenheit, mit Sprachlosigkeit. Du beobachtest, wie schnell sich Haltungen und Gefüge ändern können, manchmal sogar innerhalb von wenigen Tagen. Du rennst nicht mehr so sehr hinterher, willst aber anfangen zu joggen, schließlich läufst du schon schnell, da fehlt nicht mehr viel.

Grundsätzlich rennst du aber zumindest nicht mehr nach der U-Bahn.

"I was a ghost
Hunted and fled"
(RY X - Only)

Dezember 12, 2017Keine Kommentare

171212

Du lässt dir generell viel Zeit, denke ich weiter und beschäftige mich wieder mit Fragestellungen, die ich alleine nicht lösen möchte. Auf der Haut über meiner rechten Clavicula ein Leberfleck, ansonsten der große Wagen auf dem oberen Teil meines Brustkorbes. Ich frage mich, wie sich eine Berührung davon anfühlt.

Berlinmomente, die sich durch alle Beobachtungen ziehen. Hier ein wenig Psychose, dort etwas viel Einsamkeit. Du vermutest, dass das etwas mit dem Wetter zu tun hat und hastest voran. Splitt, wieder, unter den Sohlen, das Gefühl, als könntest du eigentlich jetzt schon mit dem Schlitten fahren. Über Steine oder Schnee: es ist dir herzlich egal, vielleicht läufst du aber doch lieber.

Deine Muskeln erinnern sich an das letzte Mal, als du sie benutzt hast, ein Wurf nach der länger verschwundenen Kondition hin und Kälte, wenn du dir dann nachts beim Schlafen doch wieder diesen einen Nerv einklemmst und beim Aufwachen lachen musst. So ein Moment.

Du verortest dich regelmäßig, täglich fast, du hörst aufmerksam zu, schreibst gelegentlich mit. Die Poesie der Zwischenzustände, alles auf dem Weg zum Anderen. Wenn du nach etwas Bestimmtem suchst, bist du auch nur an einem zukünftigen Zwischenzustand interessiert. Du weißt, dass du wirst, du weißt, dass du nicht aufhörst zu werden.

Dinge, von denen ich nicht wusste, dass sie durch meinen Kopf fliegen. Ich habe das Gefühl, ich muss mich wieder schreiben.

"it's unfortunate but when we feel a storm"
(Massive Attack - Paradise Circus)

Dezember 3, 2017Keine Kommentare

171203

Du hast dir Zeit gelassen, denke ich, ich stehe seit ein paar Minuten am Bordstein der Straße, in der die Busse gelegentlich in Kolonnen kommen. Um die Ecke eine Straße, die den Namen meines Geburtsortes trägt. Bist du verwebt in die Textur des Wissens, das du dir hast aneignen müssen seit deiner Geburt, wo fangen die Versatzstücke an, hast du Sollbruchstellen? Wo beginnen deine intertextuellen Bezüge, gibt es da etwas, das größer ist als alles, was du hättest werden wollen?
Vielleicht habe ich von etwas erzählt, aus Versehen, etwas, an das ich mich selbst nicht erinnern kann und will; 256 Varianten von allem. Momente, in denen die Stadt mir näher ist, als ich es gebrauchen kann. War das fahrlässig? Das Paar, das zu einem schief singenden älteren Herren über den leeren Columbiadamm tanzt, Menschen, die sich um die Hälse fallen. Ich laufe jede Rolltreppe sehr schnell hoch, fast so als wäre ich eine Fata Morgana gewesen.

Beim Fotofachhändler meines erzwungenen Vertrauens hassen sie mich, die Alte Schönhauser Straße mag ich nur bei Regen und untergehender Sonne. Hedwig, nicht zu weit entfernt, thront in Ruhe zwischen den Häusern, gelegentlich kann man noch die Synagoge sehen. Das Haus mit den Einschusslöchern, das am Zugang zur Kirche, verlangt nach meiner Berührung. Ich verlange ebenso nach Berührung. In der S-Bahn riecht es noch wie vor drei Jahren.

Vielleicht bist du aber wie eine Pipette, lernst, alles in dir aufzunehmen. Vereinzelte Glanzmomente und dann doch die Prognose von Herrndorf, die dich auch damals schon getroffen hat. Du stellst dir vor, wie er in der Klinik am CCM in seinem Pinguinkostüm sitzt und wartet. Um ihn herum alles still.
Lese mich dementsprechend ein paar Tage später durch die verschiedenen Neoplasien des Körpers und deren WHO-Klassifikation. Ich bekomme den Kopf nicht frei. Hier bauen sie Weihnachtsbäume auf, etwas schief, etwas off-centre. Für mehr Herzlichkeit, für ein Rückbesinnen auf sich selbst, ich mag es nicht, wenn ich zu aufgeregt bin.

Ich beobachte zwischendrin den Fluss der Menschen auf der Straße an dem Bordstein, auf dem ich gerade noch stand, mir ist kalt. Ein bisschen versagt mir die Stimme und ich stelle lieber Fragen. Schon Hölderlin warnte davor, dass man auch in die Höhe fallen kann, ich rieche dein Waschmittel, in dir drin scheinbar auch ein stetes Beben.

"oh you think so much and live so little"
(Kraków Loves Adana - American Boy)

Dezember 18, 2016Keine Kommentare

161218

Herr B1 ist ungeduldig und der Schritt ist forsch. Er klopft, er stürmt, er ist in unterschiedlichen Farbschichten getarnt. Manche drehen sich etwas um, aber eigentlich schweigen alle. Der Fernseher überträgt VfL Wolfsburg gegen Eintracht Frankfurt. Lothar Matthäus starrt in die Kälte wie ein Tiefseefisch ins Dunkel.
Darunter: drei Snackautomaten - links, futuristisch, der Getränkeautomat, der die Getränke auffängt und zu einer Ausgabestation an der rechten Seite des Gehäuses schiebt: man könnte sogar kontaktlos zahlen, würde es funktionieren; in der Mitte, der klassische Snackautomat, mit Milch und Capri Sonne, Snickers und Paprika Chips; ganz rechts der Kaffeeautomat, der alle möglichen Sorten anbietet und dann eben noch Gemüsesuppe - die ganze Zeit möchte ich mir so etwas kaufen um zu eruieren, ob der Kaffee danach nach Gemüsesuppe schmeckt.
An der Fassade leuchten notfallindizierende Zeichen zur Eingangstür, über der, steht man seitlich und kann es sehen, ein Kreuz angebracht ist, nicht das, das fürs Christentum steht. Von draußen wirkt der Raum trotzdem wie eine Kirche. Mit Snackautomaten und Sitzgruppen und Toiletten, die viele Läufer, die Samstag Spätabends unterwegs zu sein scheinen, nutzen.

Der Fernseher schaltet sich irgendwann aus, es ist unangenehm still. Ich esse ein Snickers und ich kaue wohl sehr laut.

Dann, ein Herr B2, er hat viele Tüten dabei, seine Hose rutscht so halb, er wirkt erst sehr geduldig. Herr B1 und Herr B2 haben ähnliche Namen, mit nur einer Silbe Unterschied, sie werden beide jeweils aufgerufen, beide stehen auf, Herr B2 denkt immer, er ist gemeint. Irgendwann dann seine Triage. Wieder zurück, wird Herr B2 ungeduldig, nachdem er draußen vor der Tür in den Urinbecher gepinkelt hat.
Herr B1 wiederum sagt, er hat nicht den ganzen Abend Zeit. Ich denke mir, dass er laufen kann, ihn kein Rettungswagen gebracht hat und er keine starken Schmerzen zu haben scheint. Stattdessen setzt er sich wutentbrannt auf den Stuhl, ich versuche klare Gedanken zu fassen und zu zeichnen, nichts davon will mir gelingen, schließlich kommt Herr B1 dran.
Herr B2 redet die ganze Zeit mit sich selbst, irgendwann beginnt er, die anderen Wartenden zu beschimpfen, er glaubt, alle wollen ihn lieber in der Psychiatrie sehen. Dabei denke ich an Silvester 2012/13 in der Psychiatrie in Dresden-Klotzsche zurück und an den Innenhof und wie sie mit Dosenmandarinen in alkoholfreiem Sekt die Station hoch- und runterliefen und ich deswegen meine Tür von innen abgeschlossen hatte. Kein Feuerwerk. 0:02 Uhr waren meine Silvesterfeierlichkeiten abgeschlossen und der Schlaf wollte nicht kommen. Eigentlich hatte ich aber nur Angst, eine generelle, eine panische. So wie heute.

Nun leert sich der Warteraum etwas, Herr B2 hat von hinten gesehen einen ziemlich schmalen Hals und eine zierliche Statur. Bis jetzt die Frage, wo in diesem Körper er die Kraft gefunden hat, so sehr auf und ab zu gehen, quer durch den Raum, mit sehr viel Druck. Die Tür geht auf, Herr B2 wird gerufen und er freut sich so sehr, dass er alle seine Tüten fallen lässt.

Drei Uhr sind wir dann am Ende wieder zu Hause angekommen, K und ich. Neun Stunden das Hirn zermartert, wie seit Tagen schon.

(EF - What If I Took The Wrong Turn)

November 17, 2016Keine Kommentare

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Am Ende meiner Straße steht das Wasser in einem Graben, Fahrräder rollen durch den Schlamm. Jeden einzelnen Beleg aufgehoben, ähnlich wie die Fotos davon, hiervon. (Und die Metaebene, die prangere ich an.)
J, der sagt, dass man mehr geben als nehmen sollte. Sich bei dem Gedanken zu ertappen, dass sich das Geben potenziert. Sehen, dass Netze funktionieren, die man begonnen hat zur Sicherheit aufzuspannen, vor langer Zeit. Für den Fall der Fälle.

Wollte schreiben, da in der U-Bahn, konnte nicht, auf einer Karte sieht das alles sehr klein aus, als könnte man alles zu Fuß erreichen, als könnte ich das alles mit dem Finger nachfahren, irgendwo, an einem anderen Fluß.

(Alex Cameron - Happy Ending)

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